Jury

Der Architekturpreis Beton wurde durch das InformationsZentrum Beton in Kooperation mit dem Bund Deutscher Architekten BDA ausgelobt. In der Jury wirkten mit:  

Titus Bernhard, Julia B. Bolles-Wilson; Michael Frielinghaus, Gerhard Hirth, Günther Hoffmann, Karl-Heinz Petzinka, Hanno Rauterberg, Martin Schneider, Volker Schmid, Jan Störmer. 

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Jurybegründung Preisträger

Preisträger: Iller-Wasserkraftwerk AÜW, Kempten
Architekten: becker architekten, Kempten

Beton ist ein Baustoff, der zunächst flüssig ist und erst durch architektonischen Willen und seinen Herstellungsprozeß in feste Formen gerät. Diese sind dann robust, dauerhaft und unverrückbar. Sie  bieten Schutz, trennen innen und außen und werden zum festen Bestandteil des Ortes, den sie besetzen. Das neu errichtete Wasserkraftwerk in Kempten versinnbildlicht diese Charaktereigenschaften des Betons geradezu. Aber es leistet darüber hinaus noch weit mehr:

Zunächst wird die komplexe Technik des Kraftwerks gegründet, fest im Fluß verankert und dauerhaft geschützt. Zugleich geht das Bauwerk eine Symbiose mit dem Ufer und dem bestehenden, sehr filigranen Kabelsteg ein, der damit vor dem geplanten Abriß bewahrt werden konnte. Es verstärkt die Identität des Ortes ungemein und schafft geradezu spielerisch ein Wahrzeichen. Das Bauwerk integriert sich in den sensiblen Naturraum der Iller, es nimmt sich dabei selbst zurück und öffnet die Bühne für die bestehenden umgebenden Architekturen: die benachbarte ehemalige Spinnerei und Weberei und den Kabelsteg.

Die Architektur des Wasserkraftwerks ist herausragend. Das ist um so bemerkenswerter, als es sich um eine Infrastrukturbaumaßnahme handelt – um Alltägliches und Allgegenwärtiges also. Die Sorgfalt und Virtuosität, mit der dieses Gebäude entwickelt und realisiert wurde, sind damit beispielhaft für unsere gesamte Baukultur, leidet diese doch allzuoft unter der Vernachlässigung genau dieser Orte des Alltags. 

Preisträger: Wiederaufbau Neues Museum, Berlin
Architekten: David Chipperfield Architects Gesellschaft von Architekten mbH 

Zur architektonischen Qualität des Wiederaufbaus des Neuen Museums ist bereits viel gesagt und geschrieben worden. Diese Jury möchte sich daher auf die Bedeutung der Verwendung des Materials Beton konzentrieren.

Warum nur entschieden sich die Architekten für Beton als bestimmendes Material für die Gestaltung der neuen Bauelemente: Treppen, Fußböden, Wände, Decken und Vitrinen inmitten der vielfältigen, charaktervollen, imposanten oder auch rudimentären Reste des historischen Gebäudes? Vielleicht, weil nur Beton mit seiner Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in der Lage schien, dieser Vielfältigkeit eine zeitgemäße Antwort zu geben. Dieses ist überzeugend gelungen. Das Neue Museum ist heute wieder ebenso neu und in seiner Haltung modern, wie es das bereits zu seiner Ersteröffnung 1855 war. Erneut besticht es durch eine Einheit die aus alten Versatzstücken und Neugebautem entsteht. Damals wie heute durchdringen sich museale Ausstellungsstücke und Architektur. Sensibilität prägt spürbar das Haus. Das Neue Museum ist durch seinen Wiederaufbau noch reicher geworden – reicher an gebauten Erinnerungen und reizvollen Interpretationsmöglichkeiten. Dass dies so scheinbar mühelos gelingt, liegt auch an der überwiegenden Verwendung eines einheitlichen Materials für alles Neue. In Beton gegossen finden sich abstrahierte Erinnerungen und werden lesbar. Der Einsatz des Betons ist gestalterisch und technologisch voller Innovationsfreude, Kreativität und Souveränität. Das betrifft die grundsätzliche Haltung und die Detaillierung gleichermaßen. Die erreichte Präzision in der Ausführung beeindruckt nachhaltig.

Im Neuen Museum in Berlin ist Beton „neu“ und zukunftsweisend in seine schönste Form gebracht worden.

Preisträger: Museum für Naturkunde Berlin, Neubau des Ostflügels
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rchitekten: Diener & Diener Architekten

Der wiederaufgebaute Ostflügel des Naturkundemuseums nimmt zentrale Objekte der zoologischen Sammlung, Teile des Archivs sowie Arbeitsplätze für die Forschung auf. Diese Anforderungen waren innerhalb des Rahmens der vorhandenen baulichen Fragmente und des existierenden Museumskomplexes zu realisieren. Wie es den Architekten dabei gelingt, Sammlung, Forschung und moderne Museumspädagogik zu ermöglichen und zu verbinden, imponiert. Dabei ergibt gerade die Auseinandersetzung mit dem baulichen Programm des Ostflügels mit dem Wunsch, ein Wunde der Gebäudestruktur zu heilen, das Spannungsfeld, auf dem sich der Entwurf spielerisch entfaltet. Architektonisch ist diese Auseinandersetzung gelungen. Die entstandene Architektur ist streng logisch entwickelt und radikal konstruiert worden. Der besondere Wert besteht darin, dass zugleich eine eigene Art von künstlerischer Poesie erzeugt wird, die auch zukünftigen Generation Freude an der Rezeption und Interpretation machen wird.

Entscheidenden Anteil daran hat die besondere Form, wie die Rekonstruktion der Fassade inszeniert wurde. Für die Ergänzung der fehlenden Fassadenbereiche wurden von den originalen Fassaden Silikonabdrücke angefertigt, die dann ausgegossen wurden und als Betonfertigteile die Fehlstellen ergänzen. Das Gebäude wird in diesem Bereich zum Bühnenbild aus Beton – für seine eigene Geschichte und die umgebende städtische Struktur. Der Beton bewahrt mit seiner Fähigkeit, Bild seiner Herstellung zu sein, die Architekten davor, einen platten Wiederaufbau zu wagen. Ohne falsche Realitäten zu schaffen, wird intelligent die Forderung nach falschen Realitäten umgesetzt. Mit nahezu traumwandlerischer Sicherheit formuliert der Entwurf damit ein Statement, welches bei allen zeitgenössischen architektur- und gesellschaftstheoretischen Diskussionen über Rekonstruktion und Neubau ernst genommen werden sollte.

Preisträger: Marco Polo Tower, Hamburg
Architekten: Behnisch Architekten - Stefan Behnisch, David Cook, Martin Haas

Der Marco Polo Tower bietet hochwertiges Wohnen und setzt gleichzeitig eine Landmarke. Mit seiner Verdichtung weist er in die Zukunft des Städtebaus. Zugleich wird ein ökologisches Gebäudekonzept entwickelt. Es ist den Architekten herausragend gelungen, daraus eine Identität stiftende Architektur zu entwickeln.

Der Wohnturm markiert eine zentrale Stelle der neu entstandenen Hamburger Hafen City. Dabei wird das skulpturale Gefüge der Bedeutung des Standortes gerecht, ohne in modische Spielereien zu verfallen. Das Gebäude wirkt auf angenehme Weise maritim und zeitlos. Die Schichtung der Geschosse lässt den Turm von allen Himmelsrichtungen anders erscheinen. Zugleich werden individuelle Freiräume geschaffen. Damit entsteht ein zentrales Element für die von den Architekten angestrebte Interpretation der Wohnform „Villa mit Garten“. Die erreichte Wohnqualität überzeugt. Schwingende Terrassen mit Betonbrüstungen geben dem Turm seine besondere Dynamik. Sie verschatten die Fassaden soweit, dass auf einen konventionellen außenliegenden - und damit windanfälligen - Sonnenschutz verzichtet werden konnte. Vakuumkollektoren auf dem Dach wandeln solare Gewinne mittels eines Wärmetauschers in Kälte um und sorgen so für umweltverträgliche Kühlung.

Der Wohnturm ist effizient und wirtschaftlich konstruiert. Dazu trägt auch die Verwendung des Stahlbetons als Baumaterial bei. Neben der größtmöglichen Flexibilität in der Statik, der Eignung für weit auskragende Decken und der Wirtschaftlichkeit ging es den Architekten auch um die hohe thermische Speicherfähigkeit des Materials. Beton prägt aber auch die äußere Erscheinung des Gebäudes, so dass die Potentiale des Materials in technischer und gestalterischer Hinsicht ausgelotet und zu Schönheit gebracht wurden.

Preisträger: "Altes Parkhaus“, Münster
Architekten: Fritzen + Müller-Giebeler Architekten BDA, Ahlen  

Durch den Umbau der Stubengasse hatte die Stadt Münster einen neuen Platz gewonnen - gleichzeitig stand die Aufgabe, das bestehende Parkhaus zu integrieren und neu zu definieren. Die Architekten haben dafür eine innovative Lösung gefunden und zugleich eine Haltung zu mehreren Themen formuliert, die für die aktuellen Architekturdebatten relevant sind. Es geht um die Rückgewinnung innerstädtischer Lagen für die Stadtgesellschaft, um zukunftsfähiges Wohnen und um den Erhalt von bestehender, oftmals einfacher Bausubstanz, die gleichwohl materiellen als auch ideellen Nutzen hat.

Dabei hat sich die mutige Entscheidung für den Erhalt zentraler Elemente der Tragstruktur des alten Parkhauses von 1964 gelohnt. Indem die Bausubstanz um nicht mehr benötigte Bauteile (etwa die alten Rampen) reduziert wurde, verblieb eine prägnante Tragstruktur, die in atmosphärisch dichter Weise die neu geschaffenen Verkaufsräume in den unteren Geschossen prägt. Der alte Charakter des Parkhauses bleibt präsent, die Struktur wird gleichsam in neues Licht getaucht und erzeugt einen unverwechselbaren Ort.

Die oberen, neu errichteten Geschosse sind dem Wohnen vorbehalten. Dabei ist den Architekten zweierlei gelungen: dem Wohnen in der Innenstadt wird ein qualitätvoller Rahmen gegeben, der Gemeinschaft und Privatheit gleichermaßen ermöglicht und auch für Familien geeignet ist. Zugleich wird eine adäquate, städtische Antwort bei der Entwicklung von Baukörper und Fassade gefunden, die dem Gebäude Eleganz und urbane Grandezza gibt. Die Mischung der prägenden Materialien Ziegel - entsprechend den Vorgaben der Münsteraner Altstadtsatzung - und helle, präzise hergestellte Betonfertigteile mit Glasflächen ist gelungen. Ein charaktervoller Stadtbaustein ist entstanden.

Aus dem Wettbewerbs-Archiv

2008; Mercedes-Benz Museum, Stuttgart; Ben van Berkel - UNStudio
2003: Haus der Stille, Meschede; Peter Kulka mit Konstantin Pichler
1981: Verwaltungsgebäude der ÖVA, Mannheim; Professor Dipl-Ing. Helmut Striffler
2001: Berufsschulzentrum August von Parseval, Bitterfeld; Scholl Architekten
1975: Atrium-Wohnpark Kettwig/Ruhr; E. Berning
1979: Stadthalle, Biberach an der Riß; Onno Greiner
1997: Neanderthal Museum, Mettmann; Prof. G. Zamp Kelp und J. Krauss, A. Brandlhuber
1993: Kunstmuseum der Stadt Bonn; Axel Schultes
1995: Vitra Konferenzpavillon, Weil am Rhein; Tadao Ando mit Prof. Günter Pfeifer/Roland Mayer
1999: Photonikzentrum, Berlin-Adlershof; Sauerbruch + Hutton Architekten
1985: Betonbauwerke der Trinkwassertalsperre in Frauenau;
Landbauamt Passau
1991: Deutsches Postmuseum in Frankfurt; Behnisch&Partner
1983: Kulturhaus in Lüdenscheid;
Prof. Dipl.-Ing. R. Gutbrod, J. Billing, J. Peters, Prof.
N .Ruff
2001: Bundesarbeitsgericht in Erfurt; Gesine Weinmiller Architekten mit Michael Großmann
2005: Ernsting Service Center, Coesfeld-Lette; David Chipperfield Architects

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