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Preisträger 20

Haus über der Gasse, Passau (Koeberl Doeringer Architekten BDA, Passau)
Foto: Architekten

Das „Haus über der Gasse“ in der denkmalgeschützten Passauer Innenstadt wurde im 17. Jahrhundert als Erweiterung des Nachbarhauses auf einer Gasse gebaut, sodass ein Ensemble aus zwei giebelständigen Gebäuden mit Halbwalmdach entstand. Im Zuge der denkmalgerechten Sanierung wurden die beiden Häuser innenräumlich voneinander getrennt und durch unterschiedliche Dach- und Fassadengestaltungen als eigenständige Baukörper lesbar gemacht. So erhielt das größere Haus einen zurückhaltenden, hellgrauen Außenputz und eine traditionelle rote Dachdeckung, während das schmale „Haus über der Gasse“ mit neuen Materialien moderner und eigenständiger in Erscheinung tritt: Trotz denkmalrechtlicher Auflagen, durfte seine nun kerngedämmte Südfassade durch eine Vorsatzschale aus Sichtbeton und einen prägnanten, verglasten Erker ergänzt werden. Das Dach erhielt eine Blechdeckung. Die Jury hebt besonders die Gestaltung der neuen Betonfassade hervor, die samt Laibungen für die neuen, eigenwillig proportionierten und platzierten Öffnungen über die volle Höhe betoniert wurde und durch ihre unregelmäßige Struktur von gegeneinander versetzten, vertikalen Schalungsbrettern handwerklich und rau wirkt. So wird mit dem im altstädtischen Kontext unerwarteten Baustoff Beton sowohl zeitgemäße Eigenständigkeit wie auch große Angemessenheit und Homogenität erreicht. Dabei wirkt der bewusst unfertige, grobe Charakter des rohen Materials jeder restaurativen Lieblichkeit entgegen. Im Innern des Hauses wurden alle maroden Holzdecken durch Sichtbetondecken ersetzt, auf denen sich - wie auch im neuen Treppenhaus - das Schalungsbild der Fassade fortsetzt und so eine Verbindung von Innen und Außen schafft. Für Einbauten und die Haustüre wurden bereits verwendete Schalungsbretter eingesetzt, was ein spannendes Nebeneinander von Holz- und Betonoberflächen ergibt. Historische Elemente wie Bruchsteinmauerwerk und der alte Dachstuhl wurden freigelegt und schonend gereinigt. Mit KfW60 Standard, einer Pelletsanlage und einem innovativen Wandheizsystem, das durch in den Außenwänden verlegte Kupferrohre ohne sichtbare Heizkörper auskommt, ist die Sanierung auch technisch und energetisch vorbildlich.

Aus dem Wettbewerbs-Archiv

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