vor|zurück

Lobende Erwähnung 11

Das Ehrenmal der Bundeswehr, Berlin (Prof. Andreas Meck, München)
Foto: Florian Holzherr, München

Das Ehrenmal der Bundeswehr ist eine angemessene und gelungene Umsetzung einer schwierigen Bauaufgabe. Das Erschaffen von Denk- bzw. Ehrenmälern ist mit der Tendenz zur Erschaffung einer überbordenden Bedeutungsvielfalt verbunden, um dem neuen Ort mit den gewünschten Interpretationsvorgaben auszustatten. Den Architekten des Ehrenmals der Bundeswehr ist es gelungen, diese Tendenz zu kanalisieren und angemessen und zurückhaltend umzusetzen. Gleichwohl liegt dem Gebäude eine komplexe Gedankenwelt zugrunde, die sich dem Besucher jedoch wohltuend vermittelt und nach und nach erschließt.

Der Baukörper tritt nach außen zunächst zurückhaltend auf – zumindest was die Kubatur betrifft. Dabei nimmt die Positionierung des Ehrenmals genau Bezug auf das den Platz dominierende Gebäude, den Bendlerblock. Es gelingt damit, den Platz zu fassen und einen würdigen Rahmen für offizielle zeremonielle Anlässe zu schaffen. Zugleich ist geschickt für die Möglichkeit eines „privaten“ Zugangs vom öffentlichen Raum aus gesorgt. Bei näherer Betrachtung ergibt sich eine zweite Haut des Bauwerks – es ist mit einem fein durchbrochenen „Bronzekleid“ bedeckt. Hier gelingt es den Architekten, die Dialektik von Bedeutung und repräsentativem Dekor mit einem einfachen, jedoch effektvollen Mittel umzusetzen. Besondere Anerkennung verdient die schlüssige und atmosphärisch stimmige Gestaltung des Innenraums. Der schlichte klare Raum ist in seiner Wirkung durch den Einsatz von Beton geprägt und nur so vorstellbar. Die Möglichkeiten des Materials kommen hier sowohl in seiner Anmutung der Schwere und Geschlossenheit als auch in seinen Potentialen zur weiteren Bearbeitung voll zum Einsatz. Die übergroßen Betonfertigteile wurden ausgesprochen präzise geplant und hergestellt sowie sorgfältig und wohlüberlegt bearbeitet. Dabei kommen sowohl ausgesprochen handwerkliche Methoden zum Einsatz als auch neueste Entwicklungen der Betontechnologie, wie etwa der transluzente Beton.

Insgesamt stellt sich das Ehrenmal der Bundeswehr mit großer Selbstverständlichkeit und Stimmigkeit dar. Der sensiblen und virtuosen Arbeit der Architekten ist hier die Entstehung eines besonderen Ortes mit großer atmosphärischer Kraft zu verdanken.

Begründung der Jury des Architekturpreises Beton 2011

Aus dem Wettbewerbs-Archiv

1977: Fußgängerunterführung "Kühler Krug" in Karlsruhe; M. Walter
1993: Werk der Firma B. Braun, Melsungen; J. Stirling, M. Wilford, mit W. Nägeli
2003: Ausbau der Marienkirche zur Konzerthalle, Neubrandenburg; Pekka Salminen Architects

1995: Verwaltungsgebäude der H. Kirchner GmbH & Co.KG, Bad Hersfeld/Hessen; F.Heide, R. Reitermann

1979: Sportforum II der Christian-Albrechts-Universität, Kiel; von Gerkan - Marg + Partner mit K. Nickels
1991: Postamt 3, Köln; Prof. Joachim Schürmann mit Margot Schürmann

1993: Architektur-Skulptur zum Wohnen und Arbeiten, Breisach; Prof. Thomas Spiegelhalter

2008: Zollverein School of Managment und Design, Essen; SANAA: Kazuyo Sejima + Ryue Nishizawa
1997: Halle für Lager und Verkauf, Eichstätt; Hild & Kaltwasser

1983: Urwaldhaus im Zoo Hannover; Harald Leonhardt, Edgar Schirmer, Siegfried Meyer
2005: Museum der Bildenden Künste, Leipzig; Hufnagel Pütz Rafaelian Architekten

1999: Glacisbrücke, Ingolstadt; Schlaich, Bergermann und Partner GbR

1993: Franziskushaus, Wohn- und Pflegeeinrichtung für Aidskranke, Frankfurt; Prof. Hans Wächter

2001: Aussegnungshalle, München-Riem; Andreas Meck, Stephan Köppel

2008: Stadtbahnstation Rathaus-Süd, Bochum; Pahl + Weber-Pahl Architekten BDA

Publikationen

betonprisma 103: Kreativität
Beiträge zur Architektur
€ 0,00

Details zum Produkt

betonprisma 102: Wandel
Beiträge zur Architektur
€ 0,00

Details zum Produkt

Diese Internetseiten sind ein Service
der deutschen Zement- und Betonindustrie

Logo - Architekturpreis Beton

Es kommt drauf an,
was man draus macht.

  • Facebook
  • Twitter
  • YouTube